Dieses Forschungsprojekt an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) wird von Prof. Dr. Martin Hiebl geleitet. Er und sein Team untersuchen in einer groß angelegten Studie die Corporate Social Responsibility (CSR) von Unternehmen. Das Forschungsprojekt ist in mehrere Module unterteilt. Die von der EQUA-Stiftung über vier Jahre geförderte Teilstudie stellt nicht-börsennotierte Familienunternehmen ins Zentrum.
Die Öffentlichkeit verlangt und beachtet seit mehreren Jahren CSR-Berichte von Unternehmen. Oft gibt es jedoch Zweifel, ob diese Berichte auch den Tatsachen entsprechen. Übertreiben die Unternehmen und stellen ihre CSR-Bemühungen besser dar als sie sind, wird dies als Greenwashing gebrandmarkt und nicht selten skandalisiert. Was weniger auffällt: Es gibt offensichtlich durchaus auch Firmen, die nicht über ihre CSR berichten und diese geradezu verschweigen. Dann spricht man von Brownwashing. Warum Greenwashing betrieben wird, liegt auf der Hand und wie dies gemacht wird, ist mehrfach untersucht. Dass es auch Brownwashing gibt, ist kaum bekannt und die Gründe dafür sind weder offensichtlich noch systematisch untersucht.
Bisherige Forschung widmet sich fast ausschließlich der CSR von börsennotierten Unternehmen. Nicht an der Börse gelistete Familienunternehmen sind diesbezüglich weder systematisch noch analytisch untersucht und stellen bezüglich CSR oft eine BackBox dar. Deshalb widmen sich Hiebl et al. in diesem Modul ihrer CSR-Studie dem CSR-Verhalten und der CSR-Berichterstattung von Familienunternehmen. Sie interessiert dabei das ‚Walk-the-Talk‘, also inwiefern die Berichterstattung auch den Tatsachen entspricht und inwiefern Greenwashing oder Brownwashing betrieben wird. Einen solchen Betrug aufzutun, entspräche gutem Investigativ-Journalismus. Wissenschaft ist es, wenn nach dem Warum gefragt wird. Gerade die Gründe für eine abweichende und falsche Berichterstattung in beide Richtungen stehen deshalb im Mittelpunkt des Forschungsprojekts. Erste Annahmen gehen davon aus, dass es in Börsenunternehmen eher Greenwashing gibt, während man in Familienunternehmen auch Brownwashing betreibt. Warum beides getan wird, soll in dieser Studie herausgefunden werden.